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Fitness:
(Vita Fitness GmbH & Co. KG)

Marburger 3 Monatsprojekt zur Prävention von Bewegungsmangelkrankheiten

Interview mit Frank-Dietrich Burkert, Bezirksgeschäftsführer der BARMER in Marburg und Heinz Gebauer, Sporttherapeut und Präventionsbeauftragter im Gesundheitszentrum Marburg
C.D.: Meine Herren, wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? F.-D. Burkert: Im Anschluss an eine Vortragsveranstaltung zum Thema „Epidemie Bewegungsmangelkrankheiten“, die wir gemeinsam mit Referenten des Gesundheitszentrums Marburg (GZM) durchführten, entstand die Idee für dieses spezielle Angebot. Im Vortrag wurden die Probleme der Bindung an sportliche Aktivität, die Motivationsproblematik, sowie die Bedeutung des Energiemehrverbrauchs von 1000 - 2000 Kcal pro Woche zur Gesunderhaltung dargestellt. Das brachte mich auf die Idee, einmal mehr als die üblichen Präventionskurse, die meist auf 8-12 Kurseinheiten begrenzt sind, anzubieten. H. Gebauer: Herr Burkert gab uns folgende Hausaufgabe: Der Einstieg in das Bewegungsprogramm sollte leicht fallen, die Termine zeitlich flexibel sein, damit auch Personen im Schichtdienst, wie z. B. Krankenschwestern, regelmäßig teilnehmen können. F.-D. Burkert: Dabei war mir wichtig, dass individuell auf den Einzelnen mit seinen spezifischen Voraussetzungen und Zielen eingegangen werden konnte. Außerdem musste der Leitfaden Prävention 2003 als roter Faden zur Qualitätssicherung des Angebotes berücksichtigt werden. H. Gebauer: In allen Inhalten war das allerdings unmöglich, da dies mit dem Prinzip der zeitlichen Flexibilität kollidiert wäre. Wir kamen darin überein, dass als übergeordnete Ziele die Bindung und Motivation zur regelmäßigen Bewegung im Vordergrund der Intervention stehen sollte. Der Bewegungseinsteiger sollte sein Bewegungsprogramm nicht als Pflichtprogramm wahrnehmen, sondern als spaßbetonten, das Wohlbefinden steigernde Ausgleich zum Alltag. F.-D. Burkert: Das Programm orientierte sich an den beiden Handlungsfeldern der Prävention „Bewegung zur Förderung der Herz-Kreislauf-Funktion“ und „Bewegung zur Kräftigung des Muskel- und Skelettsystems, Schwerpunkt Rücken“. C.D: Soweit ist das klar, aber worin bestand nun die Besonderheit des Programms? H. Gebauer: Das besondere war, dass die eben erwähnten Programminhalte „Herz und Rücken“ als feste Kurse in 8 Einheiten stattfanden, der Teilnehmer darüber hinaus aber auch andere Angebote im Vita Fitness - Kurse, Gerätetraining, Outdoorsportarten - ausprobieren konnte, die ihn interessierten bzw. die ihm durch seinen betreuenden Trainer empfohlen wurden. Unsere Trainer unterstützten den Einzelnen quasi in der Suche nach dem geeigneten Sportprogramm! Schließlich ist kein Mensch wie der andere! C.D.: „Trainer“, dass klingt so nach Drill und Leistungssport! H. Gebauer: Soll es in unserem Zusammenhang aber wirklich nicht assoziieren! „Bewegungs-Coach“ wäre möglicherweise eine treffendere Bezeichnung. Die Trainer hatten die Aufgabe, möglichst „nah“ am Kursteilnehmer zu bleiben, um zu sehen, wie sich dessen „Bewegungskarriere“ entwickelt, und ggf. unterstützend einzugreifen. Stellen Sie sich vor, die meisten der Teilnehmer hatten sich zuletzt in ihrer Schulzeit sportlich betätigt. C.D.: Warum war das Programm auf 3 Monate konzipiert? H. Gebauer: Der zeitliche Rahmen spielte unter dem Gesichtspunkt der Bindung an den Sport eine besondere Rolle. So gelten die ersten drei Monate für Sporteinsteiger als besonders labil und mit einem hohen Drop Out Risiko behaftet. Das Betreuungskonzept wurde also unter Berücksichtigung dieses Punktes besonders intensiv strukturiert, sodass der Bewegungseinsteiger möglichst viele Gesprächskontakte mit seinem betreuenden Trainer, seiner betreuenden Trainerin hatte. Das Bewegungsprogramm bestand sowohl aus Gerätetraining, wie auch aus Kursen, wobei die Teilnehmer frei entscheiden konnten, welche Kurse sie besuchen wollten - immer unter Berücksichtigung der Handlungsfelder, die der Leitfaden Prävention 2003 vorsieht. Der Trainer gab lediglich Empfehlungen. Der Grundgedanke bestand schließlich darin, die Teilnehmer nicht mit erhobenem Zeigefinger zum Sport zu motivieren, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, Bewegung in ihr Leben zu integrieren. Flexibilität war auch deshalb von großer Bedeutung, weil bei erkennbarer Unlust z. B. zum Gerätetraining, sofort ein Alternativangebot, wie z. B. Aquajogging vorgeschlagen werden konnte. Nochmals muss betont werden, dass es sich bei dem Programm nicht um eine sporttherapeutische Intervention, wie z. B. ein spezifisches Programm gegen Rückenschmerzen handelte, sondern das übergeordnete Ziel war, Bewegung als Lebensstil zu vermitteln, mit der Konsequenz, über einen erhöhten Energieverbrauch die Gesundheit positiv zu beeinflussen. C.D.: Herr Burkert, sind Sie mit der Aktion zufrieden? F.-D. Burkert: Ich glaube, dass solche Projekte zukunftsweisend sind, um unseren Versicherten das Thema Bewegung und seine Bedeutung für die Gesunderhaltung näher zu bringen. Wir haben erfreulicherweise die Möglichkeit, diese Programme nach ß 20 SGB V zu fördern - ein Beitrag, der auf lange Sicht zur Kostenreduktion im Gesundheitswesen beitragen wird. Wer sich regelmäßig bewegt, verbessert seine Lebensqualität und bleibt länger gesund. Im Moment werden die erhobenen Daten durch Herrn Gebauer und sein Team ausgewertet. C.D.: Um welche Auswertung handelt es sich hierbei? H. Gebauer: Nun, z.B. erfragen wir per Telefon, ob die ehemaligen Teilnehmer weiterhin aktiv geblieben sind. Im Rahmen der Evaluation, die für neue Präventionsprojekte einfach ein „Muss“ darstellt, interessieren uns außerdem Veränderungen des Wohlbefindens bei den Teilnehmern. Verbessertes Wohlbefinden, gestärkte Gesundheitsressourcen! An dieser Stelle gilt mein Dank auch der Medizinischen Psychologie, Prof. Basler und Prof. Kaluza, sowie dem Institut für Sportwissenschaft, Prof. Sommer und Dr. Hoos, die uns bei Fragen immer hilfreich zur Seite stehen! C.D.: Steht schon ein neues Projekt an? H. Gebauer: Wir stehen aktuell in der Entstehung eines Programms für übergewichtige Kinder und deren Eltern, dass wir zusammen mit dem Institut für Sportwissenschaft und unserer Oekotrophologin, Frau Elke Horner, entwickeln. Interessierte Eltern können sich schon jetzt in eine Liste eintragen lassen: Tel. 06421-9454-49 C.D.: Viel Erfolg damit und danke für dieses Gespräch!


Autor: hege
Artikel vom 24.11.2004, 09:23 Uhr

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